Dez 9, 2011 - Philosophie    1 Kommentar

Das Rabenparadoxon II

Anima Et Angor

Er sitzt unter einem Baum und versucht die Gegenwart mit gesprochenen Worten zu fassen. Die Erkenntnis ist mächtig, die Erleuchtung gewiss. Doch ist seine Katharsis weder Gut noch Negativ. In seinen Gedanken befindet er sich im Portal einer gotischen Kirche. Links und Rechts, am Anfang der Treppe, ruhen zwei dämonische Steinkreaturen und blicken richtend auf ihn hinab. Die Stimmung ist Düster, das Gefühl monoton. Allein steht er am Treppenabsatz und beginnt noch einmal von vorn:

Willkommen in einem neuen Kapitel, einer verlorenen Zeit. Was gestern geschah, ist heute zerronnen, verstrichen, gestorben und es kam noch härter als jemals zuvor: Denn die Momente meines Lebens, sind nicht nur vergangen, sie sind ganz und gar nichtig geworden. Egal wer ich war, heute bin ich es nicht. Nicht mehr – denn alles was mir geblieben, sind gebundene Schmerzen an Bilder.
 Ich erinnere mich.

Ein toter Traum,
das rote Band,
ein sanfter Fall,
die kalte Hand.

Alte Gedanken sind auf ewig verloren, neue Wege haben begonnen. Nicht links oder rechts wie zwei brüchige Wasserspeier, nein es geht nach unten oder nach oben.
 Und die Fragen, die sich mir stellen, sind überraschend verwegen. Was suchen wasserspeiende Dämonen in meinem Herzen? Die Wüste hat scheinbar etwas damit zu tun. Ist mein innerster Platz doch ihr Palast – Sie eroberte ihn im Sturm. Und dann stand sie da und fragte wie ich mich fühle – wollte wissen wie es mir geht. Entgeistert blickte ich zu ihr zurück und stürmte ihr gleich: Siehst du mich denn nicht?

Ein zufälliger Blick,
der weiße Rabe,
ein toter Punkt,
die dunkle Gabe.

Ich beobachtete viel zu lange, was bedeutungslos war. Ungehört blieben die himmlischen Worte für mich, da ich nicht zwischen den Zeilen las. Frust und Schmerz griffen nach meiner Hand, packten zu und zogen mich in ihren Bann. Ich trieb langsam im Strudel, immer in gleichbleibender Richtung. Und als ich mich stetig entfernte – trafen sich unsere Augen. Plötzlich da sah ich Sie: Ihre Seele im Reinen. Sie fauchte los und dann fauchten wir beide. Und als ich sie sah, da verstand ich die Welt. Ich blickte hindurch, durch das wirrste Geflecht. Ach, und wie ich verstand: Nur schwarze Raben haben die Macht es an sich zu reißen – das Lebensrecht. Doch egal wie sehr sie sich krümmte. Ganz gleich wie viel sie verneinte. Die Engel schielten neidisch auf ihre Haut – die Weiße.

Ein hässlicher Wunsch,
das besiegelte Schicksal,
ein ungehörter Schrei,
der glückliche Zufall.

Du suchst nach dem Sinn in diesem Unsinn? Dem Sinn des Lebens im Nichts? Bitte mein Freund, hör auf zu suchen. Schließe die Augen, vergiss was du sahst und dann kehre zurück in dein Verließ. Das ist eine Warnung von unten. Denn ich hab ihn gesucht und gefunden. Ich bin den Strudel bis nach unten gesunken. Am Ende warteten weder glückliche Tage noch Frieden, nur eine Leere wie sie kaum jemand kennt. Sobald man den Sinn des Lebens erfährt, verliert das Leben jeglichen Sinn…

Flügelschläge hallen von den Wänden zurück. Ein schwarzer Vogel flattert durch das Portal an Ihm vorbei und setzt sich auf eine der Steinkreaturen. Da beginnt es in seinem Kopf zu flüstern. Die Stimme wird lauter bis die grollenden Worte des Wüstendämons seinen Schädel fast bersten. „Kehre zurück!“ Ruf ich zu ihm. Doch es ist zu spät. Er hört nicht mehr hin.

   

1 Kommentar

  • Deine Seite ist sehr schoen und total gut eingerichtet.
    ich werde öfter mal vorbei schauen.
    Viel Glück weiterhin.

    LG Chan

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