Philosophie
Keine Kommentare Die Träne des Todes
Das Leben gleicht einem Lied,
es endet wenn der Sinn verfliegt.
Das Leben ist vergänglich, ihr solltet es wissen. Im Kontext des Ganzen, im ewig währendem Licht. Seid ihr dem Tod nicht nur einmal von der Schippe gesprungen. Und trotzdem hat jeder diesen einen Gedanken vergessen, der schwer lastet, wenn man sich erinnert – ihr erinnert euch nicht.
Der Tod – in der Rechten die Sense, gehüllt in pechschwarze Nacht. Steht er an den Schwellen unserer Türen, doch klopft niemals an. Die Tage vergehen. Die Jahre ziehen ins Land. Und wir resignieren. Vergessen ihn ganz. Aber vergessen bedeutet vernichten und der Tod ist wie wir; ans Leben gebunden. Hand aufs Herz; Niemand will sterben, noch nicht mal er selbst.
Also ist er gezwungen. Ihr zwingt ihn zu einem Vergehen und er schenkt euch mit Freuden sein dunkles Geschenk. Klopft an eine der unzähligen Türen und rammt seine knochigen Finger, dem Hausherren ins schlagende Herz. Er schließt seine Hand und reißt das Herz noch triefend und pochend direkt in das Licht.
In solchen Momenten werdet ihr erinnert, wem es erlaubt ist zu bleiben und wer schließlich geht. Im Anblick des Ungewissen, im Auge des Tieres, ist es nicht wichtig, wie man hat gestern gelebt. Die Sünden und Fehler finden Vergebung und sollte ein Niemand um den Verstorbenen weinen, dann schenkt der Tod höchstpersönlich ihm eine Träne. Seine Träne gleicht einem Gebet.
Mir ist bewusst; man sagt es euch ständig, ihr hört es fast täglich: Leb deinen Tag, wie den Letzten auf Erden. Ich unterstreiche es mit rotem Gewissen. Nicht um uns mach ich mir Sorgen und dennoch sind wir verloren: Lebt euren Tag als ob ihr keinen Abschied bedenkt. Denn glaubhafter ist, dass jemand geht, den ihr geliebt habt und nicht ihr selbst. Und wenn der Zeitpunkt nicht stimmt, dann fristet ihr traurige Tage gar Leben und zweifelt daran, dass der Weitergezogene von eurer Liebe jemals erfährt.
Der Sensenmann weint um uns Menschen. Nicht weil wir sterben, sondern weil wir alleine zu gehen gedenken und nicht verstehen, wie groß diese Bürde doch ist.
Er weint schweren Herzens.
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