Nov 11, 2011 - Philosophie    Keine Kommentare

Vom Fliegen geträumt

Ich habe einmal vom Fliegen geträumt, stattdessen sitze ich hier und beobachte euch. Ihr tausend Kinder des ewigen Kreislaufs, ihr strahlenden Engel der einsamen Trübsal. Am Tage vermisse ich euch und warte auf euer erwachen und bei Nacht bedrängt ihr mich, wie durch mein Fleisch starrende Augen – im himmlischen Garten.

Es heißt, man erkennt seine Fehler anhand eines Blicks durch den Spiegel der Zeit. Doch was bleibt wirklich, wenn der Schleier des Vergessens sich ausbreitet? Gewiss, mir zu schulden kommen habe ich einiges. Aber wir alle haben in unseren Kellern modernde Leichen. Beim Gedanken an diese grauenhaft stinkenden Überreste, wer traut sich da noch mit dem Finger auf mich zu zeigen? Wer traut sich, mich vor das Gericht der Moral zu schleifen. Niemand – ich weiß.

Mein größtes Vergehen? Ich hasste die Liebe – sie ließ mich gehen. Nun hasst sie mich und ich kann sie nicht hängen. Doch versteht mich nicht falsch. Kein einziges dieser Worte klingt aus meinem Mund wehleidig. Ganz gewiss – nein.

Aber allmählich muss ich mich fragen; wo bleibt mein Sarg, wenn die Grube schon tief genug ist? Wo bleibt mein gefallener Engel, wenn sie doch anscheinend auf der Erde herumlaufen zu tausenden – im Trist? Wo bleibt mein einsamer Stern aus dem schwarz blauen Meer?

„Dort oben!“ Die göttliche Fratze lacht. „Dort oben ist sie bei Tag und erst recht in der Nacht.“

 

Du willst etwas loswerden? Na, dann los!