Als angehender Schriftsteller beschäftige ich mich beinahe täglich mit Charakteren jeglicher Art. Sie bieten das Fundament guter Geschichten. Ich beschreibe und umschreibe sie bis ich mich selbst fragen muss, ob sie nicht doch in der Realität existieren. Da kann man es schon als hoch ironisch bezeichnen, dass ich mit der Aufgabe mich selbst zu beschreiben gnadenlos überfordert bin. Und als ob die unzähligen Details meines Lebens nicht schon genug wären, erschwert mir meine Liebe für die Philosophie das Ganze zusätzlich. Denn weiß ich wirklich wer ich bin? Wann fing ich an zu sein und spielt es eine Rolle wer ich war? Um euch, meine liebsten Leser, nicht zu sehr mit wirren Gedanken zu belästigen, möchte ich mich hier an die Fakten halten. Oder zumindest daran, wovon ich glaube, dass es Fakten sind:

Ich bin mit meinen 23 Jahren wohl viel zu jung, um von den meisten Menschen als Schriftsteller akzeptiert zu werden. Doch wenn ich ehrlich bin, war ich schon mit 6 Jahren ein Schriftsteller. Begeistert von fesselnden Geschichten hat es mir schon damals nicht ausgereicht, nur zu Kindergeschichten einzuschlafen. Ich wollte selbst welche erzählen und ich tat es über Bilder, kurze Aufsätze oder einfach nur ein interessantes Gespräch. In der Schule machte mir dann die Rechtschreibung einen Strich durch die Rechnung. Zwar war ich beim kreativen Schreiben immer etwas besser als der Rest, aber in Diktaten versagte ich auf ganzer Linie. Heute weiß ich nicht mehr, ob es an meinem Dickschädel lag (ich verabscheute es, mir etwas vordiktieren zu lassen), oder ob ich einfach nur den Einstieg in die deutsche Rechtschreibung verpennt hatte. Nach der Grundschule wurde es nicht besser und so verlor ich immer mehr die Faszination an der Schrift, jedoch niemals am Wort. Ich widmete mich der Musik. Mit einer Gitarre in der Hand und einem Mikrophon vor der Klappe brüllte ich meine Geschichten durch die billigsten Verstärker, die ich für Geld bekommen konnte. Aber als die rebellische Phase meiner Pubertät an mir vorbei zog musste ich erkennen, dass kein Mensch für eine verstimmte Gitarre und meinen mittelmäßigen Gesang zu begeistern war – ich gab auf.

Wie man sich sicherlich vorstellen kann, war ich damals am Boden zerstört. Ein Traum und eine Ära fanden für mich schlagartig ein Ende. Doch oftmals geht es in unseren Leben nur scheinbar zurück und ganz unscheinbar preschen wir geradewegs unseren Träumen entgegen. Das Loch, das die Musik in mir hinterlassen hatte, musste gefüllt werden und ich begann mich zu fragen, was ich überhaupt mit dem Wunsch Musiker zu werden, erreichen wollte. Zum Glück hatte ich noch 2 Jahre bis zu meinem Fachabitur. Denn in dieser Zeit sollte mir klar werden, dass die Deutsche Sprache mein zukünftiges Leben bestimmen soll. Ich begann – und dann ging alles wie im Zeitraffer eines schlechten Films. Die, mit Mühe und Not erkämpfte 4 im Realschulzeugnis wurde zu einer 1. Doch zum Leid vieler Arbeitgeber sagen unsere Schulnoten nicht besonders viel über die tatsächlichen Fähigkeiten eines Menschen aus. Und Schriftsteller werden in unserer Gesellschaft ohnehin nicht an Noten sondern an deren verkauften Romanen gemessen. Blanker Hohn für einen echten Künstler! Aber vielleicht spricht auch der Neid aus mir, wenn ich sowas sage. Denn bis heute kann ich keinen einzigen verkaufen Roman vorweisen. Was bringt mich also dazu, mich hier als einen Schriftsteller zu verkaufen? Zum einen die Tatsache, dass meine Hauptbeschäftigung das Schreiben ist. Manche stellen sich jetzt sicherlich ein entspanntes und ruhiges Leben vor. So ganz ohne Chef und feste Arbeitszeiten. Aber ich kann euch versichern, wenn mein Herz eine andere Berufung zulassen würde, würde ich sofort die Existenzängste und die bedrückende Ungewissheit gegen einen Chef und 8 Stunden im Büro eintauschen. Zum anderen – weil ich nichts anderes kann. Natürlich habe ich noch andere Fähigkeiten vorzuweisen, aber nichts bietet mir auch nur ansatzweise die Erfüllung, die ich verspüre, wenn ich durch meine Werke andere Menschen unterhalte, zum nachdenken oder sogar zum umdenken bewege. Wie mein Körper die Luft zum Atmen braucht, braucht meine Seele die Geschichten um nicht zu verkümmern.

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